Mittwoch, 2. Januar 2013

Scherengelenke in RSTAB

In diesem Beitrag hier möchte ich einmal etwas näher auf eine Besonderheit von RSTAB eingehen, deren Sinn sich erst bei näherem Hinsehen erschließt.

Zur Veranschaulichung soll dieses einfache System dienen.
Die Stäbe 1 und 2 sollen als Durchlaufträger wirken. Der Durchlaufträger hat unterschiedliche Feldweiten, so dass am Knoten 2 eine Verdrehung um die Y-Achse auftritt. Diese führt zu einem Torsionsmoment in den Stäben 3 und 4. Das möchte ich aber vermeiden.

Man könnte jetzt eine kleine Hilfskonstruktion aus kleinen Stäben bauen. Es geht jedoch auch einfacher. An den Stäben X und Y einfach Scherengelenke definiert.


Damit ergibt sich der folgende Momentenverlauf:


Der Biegemomentenverlauf bleibt, das Torsionsmoment ist aber verschwunden.

Mit so wenig Aufwand kann das gewünschte Verhalten erreicht werden. Eine praktische Anwendung sind z. B. Pfetten, die über einen Rahmenriegel laufen. Die Durchlaufwirkung der Pfetten soll berücksichtigt werden. Die Einspannwirkung des Rahmenriegels an den Lagern des Durchlaufträgers sollen aber vernachlässigt werden. Dafür sind Scherengelenke die richtige Wahl.

Die Scherengelenke sind übrigens nur in RSTAB und nicht in RFEM möglich.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Vortrag Werkle

Prof. Horst Werkle ist kein unbekannter wenn es um FEM-Software für das Bauwesen geht. Es ist besonders dafür bekannt, dass er die Ergebnisse der FEM-Berechnung kritisch hinterfragt und mogliche Fehlerquellen analysiert.
Wer einen ersten Einblick gewinnen will, dem sei diese Webseite empfohlen:

http://www-home.fh-konstanz.de/~werkle/femcad_96/FEMCAD_SWa.htm

Dabei handelt es sich um ein Manauskript eines Vortrags. Das ist zwar schon etwas älter, trotzdem ist der Inhalt noch immer aktuell.
Viel aufführlicher wird die Problematik der Fehler in seinem Buch "Finite Elemente in der Baustatik: Statik und Dynamik der Stab- und Flächentragwerke " besprochen, ein Buch, dass in keinem Bücherregal eines FEM-Anwender fehlen darf.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Video über BIM

Hier ein interessantes Video über BIM (Building Information Modeling). Es ist zwar ein mehr oder weniger ein Werbevideo von Mensch und Maschine, einem Softwarehändler, trotzden ist es sehr informativ.
Die Webseite BauSofteware Blog ist übrigens absolut lesenswert.

Dienstag, 28. August 2012

Blog Holzbaustatik

Ich war seit längerer Zeit gerade mal wieder im Forum von dieStatiker.de unterwegs. Durch Zufall bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem Jens sein neuen Blog über Holzbaustatik vorstellt. Alle "Holzwürmer" sollten dort unbedingt mal vorbeischauen.

Freitag, 10. August 2012

Buchempfehlung

Das Programm RFEM ist sicherlich eines der bedienerfreundlichsten FEM-Programme auf dem Markt. Trotzdem darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass FEM eine komplizierte Sache ist und dass an sehr vielen Ecken Fallen lauern. Blindes Vertrauen nach dem Motto "Die Software wird das Problem schon richtig lösen." ist aber nicht angebracht. Im Gegenteil. Blindes Vertrauen kann gefährlich sein. Jede Berechnungsmethode hat ihre Grenzen. Es ist gut, diese Grenzen zu kennen
Deswegen habe ich mir seit einiger Zeit vorgenommen, etwas tiefer in die Materie einzusteigen. Das war aber nicht so ganz einfach. Hole ich mir eine FEM-Buch aus der Bibliothek, dass passiert es mir recht häufig, dass ich schon nach wenigen Seiten an die Grenzen meiner mathematischen Fähigkeiten gebracht werde.
Die Handbücher von RFEM helfen in dieser Beziehung auch nicht weiter. Sie sind meist im Stil einer Bedienungsanleitung geschrieben. Und mit der Bedienungsanleitung für ein Auto hat man auch keine Chance die Funktionsweise des Motors zu verstehen.
Ich war also auf der Suche nach Literatur, die zwischen "Bedienungsanleitung" und FEM-Grundlagenbuch liegt.
Inzwischen bin ich fündig geworden. Das Buch heißt "Finite Elemente in der Baustatik-Praxis". Leider ist auf dem ersten Blick nicht zu erkennen, dass sich dieses Buch direkt auf RFEM bezieht. Vom Inhalt her ist es genau das, was ich gesucht habe. In vielen Bereichen schau ich nun schon etwas hinter die Fassade von RFEM.
Beispiel Plattenbalken. Der Dlubal-Name für Plattenbalken ist übrigens "Rippe". Bisher habe ich mir über die Modellierung keine weiteren Gedanken gemacht. Im Studium hatte ich schließlich gelernt, wie man einen Plattenbalken rechnet und bei der Eingabe in RFEM hatte ich mir bisher keine weiteren Gedanken gemacht. In diesem Buch wird beschrieben, welche verschiedenen Moglichkeiten es gibt, Plattenbalken mit FEM zu modellieren. Sehr überrascht hat mich, dass es erhebliche Unterschiede gibt, ob man eine 2D- oder 3D-Datei in RFEM bearbeitet.
Vielleicht schreibe ich zum Theme Plattenbalken demnächst hier mal etwas ausführlicher.
So wie beim Plattenbalken hat mir das Buch in vielen anderen Bereichen die Augen geöffnet und mich für mögliche Probleme sensibilisiert.
Mein Urteil: Dieses Buch gehört auf den Schreibtisch jedes RFEM-Anwenders.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Eurocode in Deutschland

So langsam wird es mit dem Eurocode ernst. Ab dem 1. Juli ist es nun auch in Deutschland so weit. Der Eurocode wird dann auch in Deutschland zur verbindlichen Norm.
Bisher habe ich im Stahlbau noch nach DIN 18800 gerechnet. Momentan beschäftige ich mich gerade intensiv im der EN 1993 (Eurocode 3). Demnächst werde ich mal versuchen, ein kleiners Projekt komplett nach der neuen EN 1993 durchzuziehen. Ich bin gespannt.

Samstag, 12. Mai 2012

Anschlusskräfte

Die Firma Dlubal betreibt seit einiger Zeit einen Blog. Der Link dazu ist auf der auf der Startseite ganz unten in der Fußzeile versteckt. Es lohnt sich wirklich, den Blog regelmäßig zu lesen und am besten den RSS-Feed zu abonnieren. Im Blog findet man von Zeit zu Zeit richtig interessante Tipps.
So habe ich gerade einen Beitrag zur Ausgabe der Anschlusskräfte von Stäben und Stabzügen in RSTAB gelesen. In den Ausgabetabellen von RSTAB wird man ja häufig von den Datenmengen erschlagen. In diesem Beitrag wird kurz und bündig gezeigt, wie man bei einem Stabzug die für den Konstrukteur relevanten Anschlusskräfte ausgeben kann.

Montag, 7. November 2011

Video Kontaktvolumen

Die Modellierung von Kontaktvolumen ist in RFEM kein ganz einfaches Thema. Es kann dabei sehr schnell etwas schief gehen. Das RFEM-Handbuch beschreibt das auch nicht so sehr ausführlich. In dem folgenden Video wird gezeigt, wie ein Kontaktproblem in RFEM modelliert werden kann. Das Video wurde anscheinend direkt von der Fa. Dlubal auf Youtube gestellt. Das Video ist mit 9 min sehr lang und zeigt ausführlich, wie vorgegangen werden muss.

Sonntag, 27. März 2011

RF-STABIL: Bedeutung des kritischen Lastfaktors, Teil 3, Nichtlineare Berechnung

Im 2. Teil habe ich die lineare Berechnung mit RF-STABIL beschrieben. Diese Art der Berechnung ist die Lösung eines Eigenwertproblem.

Der große Vorteil ist die Rechengeschwindigkeit. Die Berechnung dauert zwar etwas länger als das lineare Berechnen eines Lastfalls oder einer Lastfallgruppe, jedoch hält sich die Rechenzeit noch im Rahmen.

Diese Art der Berechnung hat jedoch einen gewaltigen Nachteil: Exakt ist das Ergebnis nur bei linearen Systemen. Sobald eine Nichtlinearität im System ist, kann man nicht mehr 100% auf das Ergebnis vertrauen. Es reicht schon ein ausfallendes Linienlager oder ein Zugstab um falsche Ergebnisse zu bekommen.

Was kann man bei solchen nichtlinearen Systemen tun, um die Verzweigungslast zu ermitteln? Neben der Eigenwertmethode der linearen Berechnung gibt es noch eine zweite Möglichkeit, die Verzweigungslast eines statischen Systems zu ermitteln. Jeder Anwender von RSTAB oder RFEM hat bestimmt schon einmal erlebt, dass bei der Berechnung einer Lastfallgruppe nach Theorie II. Ordnung die Meldung angezeigt wird, dass das System instabil ist. Diese Meldung sagt nichts weiter aus, als dass die Verzeigungslast des Systems überschritten ist. Es wäre also möglich, mit einer normalen Lastfallgruppe die Verzeitungslast zu ermitteln. Man müsste die Last der Lastfallgruppe schrittweise immer weiter steigern bis die Instabilitätsmeldung angezeigt wird. Das kann man manuell machen in dem man den Faktor der Lastfallgruppe variiert.


Man kann durch Probieren den Lastfallguppenfaktor herausfinden, bei dem das System gerade noch durchrechnet. Dieser Lastfallgruppenfaktor entspricht dann dem kritischen Lastfaktor.

Diese Methode der manuellen Laststeigerung hat aber gegenüber der Eigenwertanalyse in RF-STABIL einen großen Vorteil. Es werden sämtliche nichtlinearen Effekte berücksichtigt.

Nachteil: Das ist natürlich sehr aufwändig und bei größeren Systemen nicht praktikabel.

Man kann das Steigern der Last einer Lastfallgruppe aber auch automatisieren und zwar mit diesem kleinen unscheinbaren Haken in RF-STABIL:



Mit der nichtlinearen Analyse ist nicht weiter gemeint, als dass die Last aus der gewählten Lastfallgruppe immer weiter gesteigert wird, bis die Verzweigungslast gefunden ist. Das geht natürlich sehr viel schneller als die oben beschriebene manuelle Methode, dauert aber in der Regel wesentlich länger aus die lineare Eigenwertmethode.

Schauen wir und diese nichtlineare Analyse mal etwas genauer an. Da stellt sich zunächst mal die Frage, bei welchen Lastniveau begonnen wird. Wenn man gleich die gesamte Last auf das System aufbringen würde, dann hätte man ein Problem wenn der Verzweigungslastfaktor <1 wäre. Der könnte so nicht ermittelt werden. Es hat eine ganze Menge Zeit und Experimentieren gekostet, bis ich hinter die genaue Funktionsweise gekommen bin. Hier meine Erkenntnisse:

In den Details kann die Anzahl der Laststeigerungen eingestellt werden. Der Wert ist mit "10" voreingestellt. Das ist normalerweise auch eine sehr brauchbare Einstellung. Wenn man dort die 10 lässt, dann wird die Last der Lastfallgruppe durch 10 geteilt. Mit diesem Lastniveau beginnt die Berechnung.

Nachdem das Gleichgewicht gefunden wurde, wird die Last um 1/10 der Ausgangslast gesteigert. Das Lastniveau liegt also bei 20% der ausgewählten Lastfallgruppe.

Wurde wieder das Gleichgewicht gefunden, dann wird das Lastniveau auf 30% gesteigert. Das Spiel wird solange fortgesetzt, bis eine Instabilität festgestellt wird. Wird diese beispielsweise bei 140% festgestellt, dann ergibt sich daraus ein kritischer Lastfaktor von 1,4.

Die Genauigkeit des Verzeigungslastfaktors hängt sehr stark von der Einstellung der Laststeigerungen ab. Wird die Voreinstellung "10" belassen, dann ist er auf eine Dezimalstelle genau. Für die Praxis ist das völlig ausreichend.

Wenn man statt 10 Laststeigerungen 100 einstellt, dann beginnt die Berechnung auf  einem Lastneveau von 1% der ausgewählten Lastfallgruppe. In der 2. Laststeigerung wird mit 2% Lastniveau gerechnet usw.

Da Ergebnis ist genauer aber die Rechenzeit verzehnfachst sich etwa.

Wer genau hinschaut, dem ist aufgefallen, dass der Detaildialog für die nichtlineare Berechnung in RF-STABIL dem Dialog für die Berechnungsparametern gleicht. Ist eigentlich auch logisch, denn es werden in der nichtlinearen Analyse ganz normale RFEM-Berechnungen durchgeführt.

Eine Besonderheit gibt es aber in diesem Dialog. Man kann die Berechnungstheorie nicht verändern. Es ist fest die Berechnung nach Theorie III. Ordnung eingestellt. Die Berechnung nach Theorie I. Ordnung und als Durchschlagsproblem machen in diesem Fall auch keinen Sinn. Allerdings erschießt sich mir nicht der Hintergrund, warum die Berechnung nach II. Ordnung nicht zugelassen wird.

So, jetzt habe ich mich genug zu diesem schwierigen Thema ausgelassen. Unten gibt es noch eine Literaturempfehlung für die ganzen theoretischen Hintergründe.

Zusammenfassend kann man sagen, dass in dem Modul RF-STABIL eine ganze Menge Potential steckt. Besonders mit der nichtlinearen Berechnung sind sehr interessante Sachen möglich. Allerdings muss man genau wissen, was man tut.

Die Dokumentation in den Handbüchern ist leider sehr knapp. Ich hoffe, dass ich mit den drei Artikeln zu diesem Modul etwas Licht in das Dunkel bringen konnte.

Weiterführende Literatur zu diesem Thema:

Statik und Stabilität der Baukonstruktionen: Elasto- und plasto-statische Berechnungsverfahren druckbeanspruchter Tragwerke: Nachweisformen gegen Knicken, Kippen, Beulen

Siehe auch:

RF-STABIL: Bedeutung des kritischen Lastfaktors, Teil 1, Grundlagen
RF-STABIL: Bedeutung des kritischen Lastfaktors, Teil 2, Anwendung in RFEM

Sonntag, 6. März 2011

RF-STABIL: Bedeutung des kritischen Lastfaktors, Teil 2, Anwendung in RFEM

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich etwas zu den theoretischen Grundlagen geschrieben. In dieser Teil wird es nun etwas praxisbetonter. Doch zunächst noch ein wenig Theorie.

Ich hatte ja geschieben, dass bei einem kritischen Lastfaktor kleiner 10 die Theorie II. Ordnung berücksichtigt werden muss. Was bedeutet aber nun genau die Zahl des kritischen Lastfaktors?

Das ist eigentlich ganz einfach. Steigert man die Last um den kritischen Lastfaktor, dann wird das System instabil. Hier ein ganz einfaches statisches System:
Eine Kragstütze wird mit einem Gewicht (rot) belastet. Das Gewicht wird immer weiter gesteigert. Auch wenn man annimmt, dass das Material der Kragstütze immer einen linearen Spannung-Dehnungsverlauf hat, also das Hooksche Gesetz unendlich lange gilt, dann wird das System irgend wann einmal instabil.
Es tritt ein Stabilitätsversagen auf. Der kritische Lastfaktor (=Verzweigungslastfaktor) gibt an, um welchen Faktor die Last gesteigert werden kann, bis das Stabilitätsversagen eintritt. Achtung! Es wird hier immer von idealen linearelastischen Verhalten des Tragwerks ausgegangen.

Was sagt mir nun der Verzeigungslastfaktor? Es müssen 3 verschiedene Bereiche unterschieden werden:
  1. Der kritische Lastfaktor ist kleiner 1.
  2. Der kritische Lastfaktor liegt zwischen 1 und 10.
  3. Der kritische Lastfaktor ist größer 10.
Im Fall 1 ist die Lage klar. Das System ist schon bei einfacher Belastung instabil und somit zu schwach dimensioniert.

Der 2. Fall ist in der Praxis der häufigste Fall. Das Tragwerk ist unter der Belastung erst einmal stabil, es sind jedoch noch weitere Stabilitätsnachweise erforderlich. Es muss also nach Theorie II. Ordnung gerechnet werden oder es muss ein Knicknachweis nach dem Ersatzstabverfahren geführt werden.

Im 3. Fall ist das Tragwerk nicht stabilitätsgefährdet. Es reicht ein einfacher Spannungsnachweis mit den Schnittgrößen nach Theorie I. Ordnung.

Wenn der Verzweigungslastfaktor größer 1 ist, dann ist das also noch lange kein Nachweis gegen Knicken oder gegen ein anderes Stabilitätsversagen.

Zwei Sachen sind auch noch zu beachtem.

Die Stabelemente in RFEM können kein Biegedrillknicken abbilden. Das ist übrigens auch bei fast allen Stabelementen anderer Programme so. Wenn ein Biegedrillknickproblem vorliegen könnte, dann sind also noch weitere Untersuchungen notwendig.

Die Ermittlung des kritischen Lastfaktors erfolgt durch das Lösen eines Eigenwertproblems. In der "normalen" Berechnung ist zu beachten, dass keinerlei Nichtlinearität berücksichtigt wird. Wenn allso ausfallende Stäbe, ausfallende Bettungen oder andere Nichtlinearitäten im System vorhanden sind, dann ist die Berechnung zumindest ungenau, eventuell gar falsch. In diesem Fall hilft die nichtlineare Berechnung von RF-STABIL weiter. Dazu mehr im nächsten Teil dieser Artikelreihe.